Viewsonic N3000W Reparatur

“Du Papa, der Fernseher geht nicht mehr!” Mit diesen Worten teilte mir mein Sohn seine Sorge mit. Ok, der Fernseher hat so seine 10 Jahre auf dem Buckel, funktionierte aber immer noch tadellos. Klar gibt es heute bessere und billigere Ware. Aber wieso entsorgen, wenn man den Viewsonic mit kleinem Aufwand noch retten könnte? Ich packte also den Viewsonic N3000W auf den Werktisch.DSCF5245
Die Schrauben an der Rückseite wurden schnell entfernt um an die Eingeweide des Aparates zu kommen. Der Verdacht fiel gleich auf die Stromversorgung. Die üblichen Verdächtigen – Sicherung, Schalter, Kabel, Steckverbinder – wurden schnell als Fehlerursache ausgeschlossen. Also mußte der Fehler auf der Stromversorgungsplatine sein!

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Auf einem Kühlblock prangte das Typenschild, das die Stromversorgung als “DELTA ELECTRONICS,INC. MODEL: DPS210EP A REV:00”, identifizierte.DSCF5251
Schnell wurde Dr. Google bemüht und nach einem Schaltplan für das Corpus Delicti gesucht. Aber – Fehlanzeige!! Auch auf der Homepage von Delta Electronics war nichts zu finden. Die üblichen Ratschläge, nach defekten Elektrolytkondensatoren zu schauen, bzw. diese auszutauschen, waren auch nicht zielführend.
Also dann eben auf die harte Tour und die Spannungen messen, um dadurch evtl. auf eine Idee zu kommen. Nach Abschrauben der Aluminium-Kühlbleche erblickte ich glücklicherweise auf der Leiterplatte einige Angaben zur Steckerbelegung. DSCF5253DSCF5252

Der TV braucht also 5 Volt, 12 Volt und 24 Volt! Hier war ein Hinweis auf eine 5V Standby-Spannung, die aber nicht zu messen war. AHA! nach ein wenig Suchen, stellte sich ein 8-poliger Baustein mit der Bezeichnung VIPer22 als Verantwortlicher heraus. Das Datenblatt war schnell gefunden und die Spannungen nachgemessen. Der Baustein hatte offenbar keine Betriebsspannung. Evtl. hat der dazugehörige Elko einen Kurzschluß und wurde ausgetauscht. Keine Besserung! Also Ersatz für den VIPer22 beschafft und den Baustein ausgetauscht.

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Nach Anlegen der Netzspannung war immer noch keine Betriebsspannung zu messen. Also Dioden, die in der Nähe verbaut waren, ausgelötet und durchgemessen – keinen Fehler gefunden! Hm! Leiterplatte umgedreht und die SMD-Bauteile inspiziert. Es waren dort Bausteine verlötet, die verdächtig nach Transistoren aussahen. Die Bezeichnungen auf dem Gehäuse waren “P2X” und “W2T”; die als 2N4401 (NPN) und 2N4403 (PNP) identifiziert wurden. Die Messungen mittels Durchgangspiepser ergaben einen defekten “P2X”, der kurzerhand durch einen BC846 ersetzt wurde (weil der gerade verfügbar war).

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Betiebsspannung anlegen und – tadaaah! Die 5V Standby-Spannung war da. Die anderen Spannungen nicht; war ja nicht anders zu erwarten! Mittels einer Drahtbrücke wurde der ON/OFF Pin mit GND verbunden – und – die Ausgangsspannungen waren immer noch nicht zu messen.

Also weiter in der Schaltungsanalyse. Es sind ettliche ICs auf der Unterseite der Platine verlötet. Die verbauten Bausteine sind z. T. nicht mehr zu beschaffen. Ich identifizierte einen
DLA001 = L6598 von ST, ein
DAS001 = TSM101 und einen
L6561, der evtl. durch einen L6562 ersetzt werden könnte. Daneben war auch noch ein LM358 zu finden.
Diese Bausteine wurden alle mit der Betriebsspannung des VIPer22 (ca. 12-14V) mitversorgt. An Allen Bausteinen war an den Betriebsspannungspins diese Spannung zu messen.

An den ENABLE-Anschlüssen der L6598 und L6561 waren allerdings Pegel zu messen, die verhinderten, daß die Bausteine arbeiteten. Diese Signale lieferte der LM358. Aber warum? Also auch den LM358 getauscht, doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Ich brauchte unbedingt einen Schaltplan um die Schaltung zu verstehen. Aber auch eine erneute Suche verlief erfolglos. Es war nur ein Schaltplan verfügbar, der zwar Ähnlichkeiten mit der Schaltung der vorliegenden Platine zeigte, aber teilweise andere Bausteine hatte.

Also nach einem Ersatzteil Ausschau halten. Ich war schon drauf und dran, 2-3 einzelne Schaltnetzteilen zusammenzuflicken, hatte aber dann Bedenken wegen des begrenzten Platzangebotes. Die einzigen Informationen, die ich nach langem Suchen fand, waren die, daß ein baugleiches Netzteil im LCD-TV Medion MD41530 und angeblich auch im Watson LCD 3051 verbaut sein sollen. In der e-Bucht fand ich dann dieses Netzteil “Westinghouse 32″ LTV-32W3 DPS-210EP-2 LCD Power Supply”, das von der Typenbezeichnung sehr dem defekten ähnelte. Es war nicht exakt das selbe Modell, aber die technischen Daten und das Foto mit den Steckern, die die selben zu sein schienen, wie das Original, ließen hoffen. Der Anbieter war in USA beheimatet und das Teil war gebraucht. Der Preis von ca. 34U$ angemessen. Also das Teil bestellt und nach wenigen Tagen war das gute Stück bei mir.

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Der Hersteller war diesmal nicht Delta Electronics sondern Phihong, wie der Auftdruck auf der Platine verriet.
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Nach kurzer Überprüfung der Stecker wurde die Platine kurz eingepaßt. Die Montagelöcher paßten exakt und auch die 10-poligen Stecker schienen zu passen. Doch was war das? Der 4-polige Steckverbinder hatte ein anderes Raster. Was tun? Die Lösung war schnell gefunden; einfach den Stecker aus der defekten Platine auslöten und “adaptieren”. Also irgendwie in/auf die vorhandene Platine löten. Bei dieser Gelegenheit stieß ich auch noch auf die “verdrehte” Polarität des Ersatzteils. Gut, daß die Stecker nicht gepaßt haben und ich deshalb die Steckerbelegungen nochmals kontrollierte; sonst wäre es evtl. ein böses Erwachen gewesen.
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Nach dem ersten Test lief der TV wieder wie gewohnt. Also Das Gehäuse wieder ordnungsgemäß zusammenfügen und verschrauben – keine Schrauben übriggeblieben? Nein? Gut!

Nun funktioniert der Viewsonic wieder (fast) einwandfrei; nur ein leises (lästiges) Pfeifen im Standby-Betrieb stört den Frieden. Aber trotzdem freuen wir uns auf das funktionierende Gerät und hoffen, daß es noch lange Zeit seinen Dienst verrichtet.

Tevion TV LCD 2218 Reparatur, LCD kaputt

Tevion TV LCD 2218 Reparatur

Ich bekam einen Tevion 22″ LCD-Fernseher auf den Tisch, mit der Fehlerbeschreibung “geht nicht mehr”. Garantie war schon lange abgelaufen!

Ein kurzer Test förderte schnell zutage, daß wohl das LC-Display seinen Dienst versagte. Schaltunterlagen wurden im Netz gesucht, aber vergebens. Es waren einfach keine aufzufinden.

Nach dem Öffnen des Gerätes waren keinerlei Spannungen zu messen und das Schaltnetzteil hatte einige Stellen mit verschmorten Bauteilen. Am Ausgang des  Schaltnetzteils waren schließlich auch keine Spannungen zu messen. Die üblichen Verdächtigen – geplatzte Elkos – wurden offensichtlich schon einmal bei einer vorangegangenen Reparatur getauscht. Wie gesagt, waren Schaltunterlagen nicht zu finden und ebensowenig ein Datenblatt des eingesetzten Controller-Schaltkreises. Zum großen Glück stand an den Buchsen, welche Spannung denn anliegen sollte; nämlich 12 Volt.

Also wurde hilfsweise ein Labornetzteil mit eingestellen 12 Volt angeschlossen; und siehe da, die Standby-LED leuchtete und aus den Lautsprechern war ein leiser Einschaltplopp zu hören. Nun wurde der TV aus dem Schlaf geweckt (=eingeschaltet), aber außer, daß die Standby-LED ihre Farbe von rot auf grün wechselte, war nicht viel zu sehen. Wie gesagt, Schaltunterlagen waren nicht aufzutreiben und Ersatzteile ebensowenig. Einige verdächtig aussehende Bauteile wurden getauscht, aber vergebens. Mit einem Oszilloskop wurde dem verlöteten Controller zu Leibe gerückt. Aber er gab an keinem einzigen seiner vielen Beinchen ein Signal ab. Das Display blieb dunkel. Also was tun?

Das mit den 12 Volt hätte sich ja noch rel. einfach mittels eines externen 12 Volt Schaltnetzteils lösen lassen, aber die Hintergrundbeleuchtung? Aber es gibt ja unsere Freunde aus China, die sog. “Universelle CCFL Backlight Inverter” für LCD Monitore in den bekannten Umschlagplätzen, wie der eBucht, anbieten. Der Preis von weniger als 10 Euro ist auch vollkommen in Ordnung. Also schnell so eine Leiterplatte geordert.

Nach einigen Tagen des gespannten wartens war der Postbote mit dem Päckchen da. Nach dem Öffnen, eine kleine Enttäuschung: keinerlei Dokumentation! Außer der Beschriftung auf der Leiterplatte und der Angebotsbeschreibung hatte ich nichts. No risk – no fun, dachte ich, und habe kurzerhand die Display-Anschlüsse mit den perfekt passenden Buchsen der Leiterplatte verbunden und an 12 Volt angeschlossen. Und – das Display blieb dunkel! Nach dieser herben Enttäuschung, nochmals die Platine angeschaut und den 2 Steuerleitungen mehr Beachtung geschenkt. Eine war zum Ein-/Ausschalten und die andere zum Dimmen des Displays. Nur mit welchen Signalen bzw. Pegeln?

Also nochmals das Weltnetz nach dem Datenblatt des Controllers der Displayplatine durchforstet und auch gefunden. Die Steuerleitungen nun mit den im Datenblatt vorgeschlagenen Pegeln beaufschlagt und – siehe da, die Hintergrundbeleuchtung illuminierte das LCD.

Ein Labortest mit angeschlossenem CCFL Backlight Inverter und dem restlichen TV-Monitor zeigte kurz ein Bild des Einstellmenüs. Also die Kiste lief! Nun wurde die Steuerleitung der TV-Elektronik mit der Steuerleitung des CCFL Backlight Inverters gekoppelt – und auch das funktionierte einwandfrei.

Wie nun die Komponenten wieder zu einem integralen Stück zusammenschrauben? Glücklicherweise war die CCFL Backlight Inverter-Platine so klein, daß sie locker die herkömmliche Schaltnetzteil-Platine ersetzten konnten. Nur die Löcher für die Schraubanschlüsse passten nicht.

Ich entschied mich für eine Variante, in der die orginale Schaltnetzteil-Platine als Träger fungiert. Durch die Reparaturversuche war sie auch schon ein wenig verbrutzelt; also wurden die Bauteile, die im Weg standen, kurzerhand ausgelötet und 3 Befestigungslöcher für den CCFL Backlight Inverter gebohrt. Ein externes 12 Volt-Schaltnetzteil würde alle Platinen mit Strom versorgen.

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CCFL Backlight Inverter auf originaler Schaltnetzteil-Platine montiert und verdrahtet.

Für die neue Stromversorgung kam ein externes 12 Volt-Schaltnetzteil mit 5 A zum Einsatz. Hierfür habe ich an einer zugänglichen Stelle ein Loch in das Anschlußblech für eine Buchse gebohrt, die einen Hohlstecker aufnehmen kann. Zum Schutz habe ich noch eine 6,3 A Sicherung dazwischen geschaltet.

Hohlbuchse für den Anschluß eines externen Netzteils

Hohlbuchse für den Anschluß eines externen Netzteils

12 Volt-Buchse von außen

12 Volt-Buchse von außen

Nach einem finalen Test konnte das Chassis wieder zusammengeschraubt werden und der TV tut wieder seinen Dienst.